Solar Panel und Clean Water Project Handover in Siabuwa

Eigentlich haetten wir heute einen Arbeitstag eingeplant, nachdem aber auch der oertliche IT Techniker nach Siabuwa faehrt, fahren wir (Rupi und ich) auch mit.
Ausserdem muss man einmal im Leben bei einer Function in Zimbabwe dabeigewesen sein - hab ich mir sagen lassen.
Die 80km Fahrt ueber die Sandpiste haette die Herzen aller Offroad Fans hoeher schlagen lassen, meinem Magen bekommts leider weniger gut. Trotz toller Landschaft bin ich mehr mit mir und meiner Uebelkeit beschaeftigt.
Bongos Musikgeschmack verstaerkt meine Magensschmerzen ebenfalls - katholisch verklaerter Gospel dringt aus den Lautsprecherboxen...
Nach 2,5 Stunden ist mein Mathyrium beendet und wir erreichen Siabuwa. Einer der zentraleren Orte entlang des Weges nach Kariba. Der "Ortskern" besteht aus ein paar Haeusern und Shops vor einer Atemberaubenden Bergkulisse. Von hier aus soll es eine Parade Richtung Siabuwa High School geben, wo dann die Uebergabefeier stattfinden soll.
Eine Buntibe Gruppe fuehrt den Paradezug an. Wer die Musik der Tonga noch nie live erlebt hat, hat was verpasst! Diesen Musikstil in Worte zu fassen faellt enorm schwer. Vorweg gesagt, hier wird mit jeglichen stereotypen Vorstellungen ueber "afrikansiche Musik" aufgeraeumt - und das ist gut so.
Die Hauptinstrumente sind Ziegenhoerner in die hineingeblasen wird - was einen Pfeifton erzeugt, begleitet von dezenten Trommeln.
Der Master of the Horns verteil aus einem Sack an alle Musiker_innen der Gruppe die Hoerner (es sind immer fixe Buntibe Gruppen, die ihre Stuecke auch regelmaessig proben). Der ganze Zug bewegt sich tanzend weiter, es ist unmoeglich dabei stillzustehn. Fuer mich hat es fast denn Anschein als waere diese Musik elektronisch generiert, auch die Tanzbewegungen sind sehr dissonant - einfach genial!
Mich wundert es jedenfalls keineswegs, dass die Missionare dachten, diese Musik sei Teufelswerk.
Frauen spielen in den Buntibe Gruppen eine sehr grosse Rolle. Urspruenglich waren die Tonga matriachal organisiert, was durch den Einfluss der Missionare und der Kolonialherren und vor allen Dingen durch die Umsiedlung wegen des Staudammes zerstoert worden ist. Vor der Umsiedlung war es nicht Aufgabe der Chiefs (sowas wie Ortsvorsteher) die Nutzung des Landes aufzuteilen, sondern die der Frauen.
Angekommen in der Siabuwa High School wird auch gleich die Solaranlage sichtbar. Es musste extra ein Metallgeruest fuer die Panels aufgestellt werden, weil die Daecher der Schule das Gewicht nicht getragen haetten. Daneben steht der Wassertank mit dem neuen Filtersystem fuer sauberes Trinkwasser.
Finanziert wurde das ganze ueber den Rotary Club Linz in Zusammenarbeit mit dem Rotary Club Belmont in Bulawayo und dem Basilwizi Trust - darum diesmal unsere erweiterte Reisegruppe samt Kamerateam.
Rupi hat ja schon in einem Blog bei seiner letzten Reise ueber das Stromproblem in Siabuwa berichtet. 2006 bekam die Schule Computer von President Mugabe geschenkt, allerdings hatten sie bis jetzt keinen Strom um diese auch zu betreiben.
So eine Function ist eine seltsame Sache. Fuer uns wurde eine "Tribuene" aufgebaut. Mir war das eher unangenhem dort sitzen zu muessen, es waere allerdings als sehr unhoeflich empfunden worden, wenn wir das nicht gemacht haetten. Gegenueber waren Stuehle fuer die Menschen aus dem Dorf aufegstellt worden und in der Mitte genug Platz fuer Reden (von denen es viele gab) und Auftritte der Schueler_innen und der Buntibe Gruppe (yeah!).
Was mir auffaellt, ist die Thematisierung des Genderaspekts. In den Gedichten (Gedichte werden hier grundsaetzlich anders vorgetragen als bei uns, ein Gedicht wird nicht stillstehenden sondern wippend und sehr schnell vorgetragen) und Liedern die die Schueler_innen vortragen kommt das Thema immer wieder zur Sprache. Ich bin mir nur nicht sicher, ob das nicht nur mit unserer Anwesenheit und der immer wieder thematisierten Genderungleicheit von Seiten der AZFA zu tun hat.
Eine weitere Problematik, die hier nicht totgeschwiegen wird, sind Missbrauchsfaelle an Schueler_innen (anzunehmen ist, dass es mehr Maedchen als Burschen betrifft, genaue Statistiken kenne ich allerdings nicht). Bei unserer Vorstellrunde im Ministry of Education Office in Binga wurden vom Zustaendigen fuer alle Secondary Schools im District diese Thema offen Angesprochen. Ein dicker Ordner im Office dokumentiert die Faelle. In Siabuwa und auch anderen Schulen schlafen viele Schueler_innen im Busch (bush boarding genannt), da der taegliche Weg nach hause zu weit waere. Ubergriffe von Seiten aelterer Schueler oder Lehrer sind leider nicht selten. Es fehlt an finanziellen Mitteln geschuetzte Unterkuenfte fuer die Schueler_innen zu bauen.
Zurueck zur Function. Leider meldet sich gegen fruehen Nachmittag meine Uebelkeit wieder retour (hier ist es auch ziemlich heiss). Das Mittagessen lasse ich ausfallen und lege mich im Auto hin. Lange dauert meine Siesta nicht. Die anderen haben beim Essen ueber meinen Gesundheitszustand geredet und prompt hat sich ein Arzt aus Binga (der auch Gast bei der Function ist) um mich angenommen. Da Malaria im Zambezi Valley eine ernsthafte Gesundheitsproblematik darstellt, sind alle sofort alamiert, wenn es jemandem gesundheitlich nicht gut geht. Ich versichere dem Arzt, dass es nur die Fahrt und wahrscheinlich der Fisch vom Vortag war und wir verbleiben dabei, dass ich ihn aufsuche falls es sich am naechsten Tag nicht bessert. Eine Schuelerin bringt mir heissen Schwarztee, was meinen Magen dann wieder etwas beruhigt. So viel Fuersorge ist mir dann wieder etwas unangenehm.
Am Abend in Tusimpe erlebe ich nochmal eine aehnliche Situation mit einer hier lebenden Nonne, die mir sofort sehr hilfsbereit Medikamente fuer meinen in mitleidenschaft gezogenen Magen anbietet. Schlafen ist jedoch das Einzige was ich jetzt noch will. Keine Sorge, alles ist wieder bestens.